Gedanken zu Christi Himmelfahrt 2020

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von Pfarrer Thomas Gruber.

Lesung aus der Apostelgeschichte

Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus von Anfang an getan und gelehrt hat, bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde. Vorher hat er den Aposteln, die er sich durch den Heiligen Geist erwählt hatte, Weisung gegeben. Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.

Weisungen und Himmelfahrt des Auferstandenen
Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt! Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft werden.

Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn:
Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?

Er sagte zu ihnen:
Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat. Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.

Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, siehe, da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten:
Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?
Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

Apostelgeschichte 1,1-11

Im Jahr 1961 feierte das kommunistische und wissenschaftsgläubige System der damaligen Sowjetunion einen großen Sieg: Die „Himmelfahrt“ von Juri Gagarin, der als erster Mensch mit einer Rakete ins All – oder besser gesagt in die Umlaufbahn der Erde – geschossen wurde. Zweifellos technisch eine außerordentliche Leistung!

Auf die Frage, ob er bei seiner „Himmelstour“ Gott gesehen habe, antwortete Gagarin mit „Nein“.

Man weiß es nicht genau, wahrscheinlich (vermutlich) hat ihm diese Antwort das Regime in Moskau so vorgeschrieben. Denn im wissenschaftsgläubigen und rein materialistischen System des Kommunismus hatte Gott keinen Platz. Gott durfte gar nicht vorkommen.

Wie das Schicksal so spielt, starb Juri Gagarin schon wenige Jahre später. Ob er bei seiner eigenen zweiten – oder besser gesagt letzten – „Himmelfahrt“ eine Horizonterweiterung und die Begegnung mit Gott erfahren durfte, wissen wir nicht. Aber wie es das Wort „Horizonterweiterung“ schon ausdrückt: Wir hoffen, dass auch er es geschafft hat, Jesus, dem Barmherzigen zu begegnen, Jesus Christus, der ihn ins Licht führt.

Jenseits des technischen Machbarkeitsdenkens, dort, wo der technische Verstand untergeht, steigt die Seele und unser Herz auf. Wenn wir dann noch Eines haben, dann ist es die „Fliehkraft des Glaubens“ und doch die feste Verwurzelung mit der Hoffnung – auf ihn, auf Christus.

Als Jesus von den Pharisäern gefragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete er:
Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte.
Man kann auch nicht sagen: Seht, hier ist es! oder: Dort ist es!
Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.

Lukas 17, 20-21

„Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte“. Es verschließt sich einer rein wissenschaftlichen, materialistischen Beobachtung. Aber das Reich Gottes, der Himmel, ist schon mitten unter uns.

Das Versprechen und das „Vorausgehen“ Jesu ist ein tiefer Schatz, den wir mit dem Denken in den Kategorien „höher, weiter, größer, schneller“ nicht heben können. Sicherlich, all diese menschlichen Bestrebungen gehören zu unserem Leben und machen unser Leben aus. Doch wenn wir uns alleine an dem „höher, weiter, …“ orientieren, dann schaffen wir nicht den Himmel und nicht die Begegnung mit Gott.

Wenn wir in der „Raumkapsel des Herzens“ eingeschlossen bleiben, dann öffnet sich eben nichts, was uns Gott zeigen könnte (und er zeigt uns viel!). Dann werden wir maximal – etwas ironisch formuliert – „auf den Mond geschossen“, also dorthin, wohin es nicht einmal Juri Gagarin geschafft hat. Aber das war egal! Wenn er seine letzte Himmelfahrt in die Hände Gottes hinein geschafft und in sich den Angelpunkt der Verbindung mit Gott gefunden hat, hatte er den „Mond“ nicht mehr nötig.

Es geht um Jesus Christus, die „Sonne der Gerechtigkeit“. Amen.