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Entschiedenheit

von Pfarrer Thomas Gruber.

In jener Zeit begleiteten viele Menschen Jesus; da wandte er sich an sie und sagte:
Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und hinter mir hergeht, der kann nicht mein Jünger sein.

Denn wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und berechnet die Kosten, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen? Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.

Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt? Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden. Ebenso kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

Lukas 14, 25-3

Liebe Schwestern und Brüder, jetzt nach meinem Urlaub und am Anfang dieser neuen Saison – wenn man es so nennen will, also Glaubenssaison – bekommen wir im Evangelium gleich ein sehr wichtiges Glaubensthema vorgesetzt, nämlich „Die Entschiedenheit“.

Wenn wir im Glauben bestehen wollen, gilt es auch „entschieden für den Glauben einzutreten“. Wenn der Glaube für uns auch wertvoll sein darf bzw. soll, dann ist die Entscheidung für Gott unerlässlich.

Wenn der Glaube in unserem Leben ob hier auf Erden oder dort im Himmel auch erfolgreich sein soll, dann ist die Entschiedenheit für Gott und Jesus das entscheidende Standbein.

Entscheidungen treffen wir im Leben jeden Tag: Wann ich aufstehe, was ich einkaufe, wie ich zur Arbeit komme, was ich anziehe, was ich esse etc. Viele Entscheidungen sind natürlich schon in einem Tagesablauf eingebettet; doch auch der vorgegebene Tagesablauf unterliegt einer Entscheidung.

Auch der Glaube, unser Glaube, ist in unser Leben eingebettet. Der Glaube ist nicht nur ein Gefühl oder irgendetwas Beiläufiges oder Luxuriöses. Nein. Der Glaube „umgreift“ unser Leben, und unser Leben ist eingebettet in den Ablauf von Entscheidungen.

Wie unser Leben ist der Glaube auch ein Geschenk, das wir unverdient bekommen haben; doch jedes Geschenk, lebt erst so richtig auf, wenn es gepflegt wird.

Der Glaube lebt also durch unsere Entscheidung für ihn, Gott, der sich für uns schon längst entschieden hat

Die Glaubensentscheidung ist natürlich eine tiefe Lebensentscheidung. Diese Entscheidung ist wesentlich tiefer und tiefgründiger als wenn man am Abend sich für ein Glas Bier – zum Einschlafen – entscheidet 😉. Die Entscheidung des Glaubens ist am ehesten mit der Entscheidung zu vergleichen, wenn man sich für einen Lebenspartner auf Dauer entschließt. Diese Entscheidung ist eine sehr tiefe und grundlegende Entscheidung.

Jesus redet heute sehr ausführlich auch davon, dass eine Entscheidung – gerade auch wenn sie tief und bedeutsam ist – vernünftig und wohl überlegt sein muss. Wenn er da vom Turmbau oder der Kriegsführung spricht, sind das Beispiele über die Bedeutsamkeit der Vernunft in unserem Leben.

Das gilt für alle tiefen Entscheidungen: Ob Lebenspartner und Familie, ob Berufswahl oder Lebensausrichtung.

Gerade auch der Glaube braucht auch die Entscheidung für Gott; der Glaube muss sich mit all seiner geistigen Kraft auf Gott hin ausrichten.

Vor kurzem habe ich bei einem Buch von Josef Ratzinger wieder mal gelesen, der schreibt: Der Glaube ist nicht einfach nur „auf die Inspiration Gottes in sich zu warten und zu leben“. Der Glaube ist nicht nur eine Wertegemeinschaft. Sondern der Glaube ist auch das entschiedene „Ja Sagen“ zum Ruf Gottes in meinem Leben. Der Glaube ist das „Ja“ zu Jesus, der zu meinem Leben gehört: „Ja“ zu ihm als mein Ursprung, mein Sinn und mein Ziel. Dann erst ist der Glaube echt.

Natürlich muss die Entschiedenheit den Glauben als Geschenk Gottes wahrnehmen.

Entschiedenheit im Glauben darf natürlich nicht „umschlagen“ (oder verwechselt werden) in „wilde Entschlossenheit“. Wilde Entschlossenheit besitzen Menschen, die fanatisch um Ziele kämpfen und dabei über Leichen gehen, geistig und körperlich. Natürlich will Gott das nicht. Nur „wilde Entschlossenheit“ ist eher ein seelisches Defizit und hat nicht viel an Liebe in sich, was ja im Glauben wichtig wäre, bzw. absolut unerlässlich ist.

Die Entschiedenheit im Glauben kann uns viel geben. Jesus spricht heute davon, dass man seine Familie geringachten soll, ja sogar sein eigenes Leben um des Kreuzes willen verachten, … ja sogar hassen soll. 

Das darf man im Zusammenhang mit der christlichen Entscheidung bzw. Entschiedenheit nicht falsch verstehen! Natürlich ist die Liebe zur Familie und zum Leben wichtig. Doch Jesus will damit ausdrücken, dass die Entscheidung für den Glauben das tiefe und grundsätzliche Fundament ist, der Glaube ist das tiefste, was wir haben können …. und dieses Geschenk aus den Augen zu verlieren, wäre nicht gut.

Deshalb redet Jesus heute relativ scharf und polarisierend; doch er will uns nur auf diesen Schatz des Glaubens und der Entscheidung dazu hinweisen. Dieser Schatz schlummert in uns und kann oft auch ganz still schon wirksam sein.

Die tiefe Dimension dazu ist mir dabei bei einem Satz aufgegangen, den ich in einem Film über den Glauben gehört habe.  In einem Zeichentrickfilm über Mose und das Volk Israel, das aus der Knechtschaft Ägyptens fliehen wollte, sagte Mose einmal, als alle schon aufgerieben und abgekämpft – quasi auf dem Zahnfleisch – daher kamen: Mag der Pharao, „unser Zuchtmeister“, uns alles nehmen Besitz oder Familie, sogar unser Leben selbst, unseren Glauben kann er uns nicht nehmen, nein niemals. Amen

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