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Josef

von Pfarrer Thomas Gruber.

Mit der Geburt Jesu Christi war es so:
Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes. Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.

Während er noch darüber nachdachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte:
Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Siehe: Die Jungfrau wird empfangen / und einen Sohn gebären / und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, / das heißt übersetzt: Gott mit uns.

Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar. Und er gab ihm den Namen Jesus.

Matthäus 1,18–24

Dieses Evangelium von heute ist gewissermaßen das Weihnachtsevangelium nach Matthäus. Es ist ganz anders erzählt als das bekannte von Lukas, das wir von der Christmette her kennen. Hier wird auch die Geburt von Jesus Christus geschildert; allerdings ist die Geburt ganz beiläufig erwähnt. Wichtig ist in dieser Geschichte, was hier die Geburt von Jesus dem Zuhörer sagen will.

Jesus ist zum einen der neue König David. Er erfüllt die Hoffnungen des Volkes Israel von damals. Alle hofften, einen Friedenskönig aus dem Hause David zu bekommen. Das war deren tiefste Sehnsucht ihres Herzens. Zum Anderen aber „durchbricht“ die Geburt Jesu auch die Erwartungen. Als der Sohn einer Jungfrau wird er als einer dargestellt, der absolut Neues bringt und damit auch auf die Erwartungen aller Menschen eingeht: Jesus bringt ja auch die Vergebung der Sünden – so sagen wir im Glauben – und damit ist er auch für die gesamte Welt ein Hoffnungszeichen. Jesus ist auch für die damalige ganze heidnische Welt interessant. Bei allen Krisen und bei allem Dunkel, Jesus kann Licht bringen. Er will uns sein Licht des Vertrauens schenken.

Ein Mensch wird in dieser Geschichte auch interessant für uns, weil er uns den Weg dazu zeigt: Josef ist heute die Gestalt, die uns ein wenig „anregen“ kann. Wie ist es möglich, dass wir Jesus als unseren Lichtbringer erfahren können?

Hier möchte ich auf einige Eigenschaften eingehen, die Josef heute durchscheinen lässt:

  • Er wird als gerecht angesehen, weil er Maria, die ohne sein Zutun ein Kind erwartet, nicht verstößt. Er hätte sehr wohl ein „Recht“ darauf gehabt, sie anzuklagen. Doch er zeigt sich barmherzig, er pocht nicht auf sein Recht, sondern er sieht den Menschen. Das ist eine Eigenschaft, die es wesentlich leichter Weihnachten werden lässt, oder besser gesagt: Die es überhaupt erst Weihnachten werden lässt.
  • Von Josef ist auch kein einziges Wort in der Bibel überliefert. Er wird als der stille und schweigsame Heilige der Heiligen Schrift geschildert. Das Schweigen und die Stille bekommen durch ihn auch noch einmal einen besonderen Wert. Durch schlichte Stille und einfaches Schweigen lassen sich auch noch einmal Türen auf Weihnachten hin öffnen, – in unserem Inneren. Einfach nur hinhören, ohne gleich etwas erwidern zu müssen.
  • Josef hat einen Traum, der ihn in seinem Inneren umdenken lässt. Auch wir sind durch dieses Beispiel von Josef „angeregt“, unsere Träume zu haben. Damit wird auch an die/unsere Lebensträume gedacht. Wenn wir sie haben, gibt es auch darin Momente, dass wir uns wieder neu auf Gott hin ausrichten. Ich traue mich da auch zu sagen: Wer ohne Träume in seinem Leben ist, wird sich nicht mehr verwandeln lassen können.
  • Im Letzten gibt es von Josef noch eine Eigenschaft, die man ansprechen kann: Er ist der Ziehvater Jesu. Er übernimmt Verantwortung. In den vielen Weihnachtsdarstellungen sehen wir den Josef oft stehend bei Maria und Jesus. Er steht zu den Seinen und seinem Lebensweg, auch wenn nicht alles „im Rahmen des Verstehens“ geschieht. Auch heute im Evangelium wird Josef ein bisschen überrumpelt – mit „dieser“ Geburt von Jesus. Es ist ja eigentlich eine „unverstehbare“ Botschaft, die Josef mit Maria und der Geburt Jesu da akzeptieren muss. Wohl wissend, dass vieles im Leben nicht immer gleich verstehbar ist, steht er aber zu seinem Lebensauftrag. Das heißt jetzt nicht, sich ausnutzen lassen oder gar den Dummen für eine bestimmte Idee machen müssen, das wäre falsch gesehen. Es geht mehr um ein verantwortliches Dasein. Und um das Zueinanderstehen. Hier setzt Josef schon ein großes Zeichen, damit in uns Gott Einlass finden kann.

Ja, Josef will uns auch helfen, ein „inneres Weihnachten“ werden zu lassen.

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