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Wüste

von Pfarrer Thomas Gruber.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Mitchristen an diesem 3. Advent,
letzten Sonntag, als in einem großen Familiengottesdienst in Goldach zum zweiten Advent 14 neue Ministranten eingeführt wurden, habe ich kurz betont, dass der Weg auf Weihnachten hin auch immer ein Weg mit Menschen ist: Johannes der Täufer, Jesaia, Josef und Maria im biblischen Kontext. St. Martin und St. Nikolaus als große Heilige. Und auch wir, die wir den Glauben zeigen, als die Alltagsmenschen des Glaubens, säumen den Weg auf Weihnachten hin. Die Adventszeit ist also sehr von Figuren und Charakteren geprägt, die uns helfen, Gott in uns Raum zu geben. Das will ich aber heute nicht näher ausführen. Das darf das nächste Mal wieder angesprochen werden.

Heute möchte ich einmal nicht über einen Menschen sprechen, sondern einmal über einen Ort, der uns wieder zu Gott helfen kann. In der Lesung – wie immer aus dem Prophetenbuch Jesaia – haben wir von der „Wüste“ gehört. Wir wissen, dass die Wüste in Israel, ja im gesamten Orient eine geographische Größe ist. Doch Wüste ist auch ein „Glaubensbegriff“. Wüste ist ein sogar sehr wichtiger „Beschreibungszustand“, wenn es darum geht, Gott wieder erfahren zu können. Wüste ist also ein – sagen wir mal – Zustand oder Umstand, wo etwas geschieht, was uns für Gott öffnet. Und Advent möchte ja ein „sich öffnen für Gott“ bewirken.

Ausgehend von der heutigen Lesung aus Jesaia, und auch dem Evangelium, wo wieder von Johannes dem Täufer als dem letzten und größten Wüstenprophet gesprochen wird, wird sehr schnell klar, dass so vieles in der Bibel und damit im Glauben in der Wüste geschieht. So viel, dass man fast schon geneigt ist zu sagen: Erst brauchen wir mal die „Wüste“, um Gott in sich antreffen zu können.

Unzählige Beispiele zeigen, dass die Wüste die Keimzelle des Glaubens ist. Mose musste z. B. im Buch Exodus in die Wüste gehen, um im brennenden Dornbusch Gott zu begegnen. Jesus war 40 Tage in der Wüste, so sind sich alle Evangelisten einig, um von Gott seinen Auftrag zu bekommen. Viele andere Beispiele sprechen von der Wüste.

Es gibt viele, die machen ihren Selbstfindungsurlaub in der Wüste, meist Manager und Unternehmer; doch vor allem auch Christen machen „ihre“ Tage dort, um zu sich und damit auch zu Gott zu kommen. Denn in der Wüste ist zunächst die Beweglichkeit. Wir sind irgendwie auch Nomaden, also „Gäste auf Erden“, die in ständigem Unterwegssein sind. Das zeigt die Wüste auch. Die Wüste ist ja eigentlich ein „lebensfeindlicher“ Raum, zu trocken, zu kalt, zu heiß, nichts fürs Leben.

In der Wüste spürt man so richtig, dass wir hier nicht sesshaft sind. Dort ist die menschliche Bedürftigkeit hautnah zu spüren. Manche sagen, in der Wüste leben wir „existenzieller“. Da merkt man viel schneller, wie mein Leben tief von einem anderen abhängt. Von der Hilfe des Anderen. Von Gott im Letzten. 

In der Wüste kann ich nicht so leicht etwas „aussitzen“, da sind immer auch Entscheidungen zum Überleben zu treffen. Im Glauben könnte man sagen: Die Wüste ist mein Ort der Entschiedenheit. Die Wüste ist voller Oasen; doch ich muss entschieden und wachsam sein, damit ich sie finde, um zu leben. Bereitschaft und Wachsamkeit gehören in den Glauben des Advents wesentlich hinein.

In der Wüste braucht es neben der Wachsamkeit auch viel Geduld. Vielleicht könnte ich sogar sagen: Gerade in der Wüste ist man aufmerksamer. Die Ohren werden anders. Da ist auch viel an echter Stille dabei, die in ihr erfahren wird. Viele sagen ja, Gott habe ich eher in meiner Wüstenzeit kennenlernen dürfen. Dort, wo ich dann endlich bereit war, Hilfe anzunehmen, – und das kann lange dauern,- da war plötzlich auch wieder Hilfe da. Gott wurde da spürbar. Ich höre in der Wüste auf Gottes Stimme mehr, da ist er „echter“.

Sicherlich ist die Wüste ein heikler Ort, Unsicherheit und Zweifel gehören ehrlichkeitshalber voll und ganz in unser Leben hin, die Wüste charakterisiert das. Die Fragen, die Johannes der Täufer ausspricht, drücken das auch deutlich aus. Der Glaube hat immer auch seine unsicheren Seiten, – das will sagen, dass unser Verstand den Glauben nicht voll und ganz absichern kann. Ja, der Glaube liefert sich auch der Wüste aus. Dort wohnen die wilden Tieren, sagt der Kenner. Der Glaube verlangt auch ein Stück wert Risikobereitschaft und Mut. Glaube ist auch ein Wagnis; doch auch hier darf man sagen, „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“

Das schöne am Bild der Wüste als unseren Ort des Glaubens ist, dass die Wüste aber auch blühen kann. Wer Israel von Fahrten dorthin kennt, der kann mir beipflichten, dass, wenn es dort mal in der Wüste regnet, es echt grün werden kann.

Da kann uns die Wüste für den Glauben auch viel sagen. Wir können auch sehr viel Freude und Lebensenergie in der Wüste tanken. Voll Freude und gestärkt kann ein Mensch aus einer „Wüstenerfahrung“ ins Leben zurückkehren. Das ist ein sehr starkes Lebensbild. Der Glaube traut sich von einer blühenden Wüste zu sprechen, wenn Gott im Leben erfahren wird. Die Bibel lässt den Propheten Jesaia und Jesus selbst sagen: Wenn Lahme wieder gehen und Blinde wieder sehen, wenn Taube hören, … also wenn das unendlich befreiende wirkt, dann ist das auch eine Erfahrung am Ort der Wüste.

Ja das Bild der Wüste, und die Erfahrungen, die man in ihr machen kann, sind interessant und helfen, Gott wieder neu zu begegnen. Schön mag es sein, sich auch auf dieses besondere Bild der Wüste im Advent wieder einzulassen, um Kraft für den Glauben zu gewinnen. 

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