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Die Auferstehung – heute wieder im Mittelpunkt

von Pfarrer Thomas Gruber

Wir wünschen sie uns alle, diese Auferstehung. Wir, die wir zur Zeit wieder in Verunsicherung leben, außen und innen, körperlich und seelisch. Wir erleben einen Krieg, der uns zeigt, dass wir Menschen – auch in Europa – in der Friedensarbeit doch nicht so weit sind, wie wir gemeint haben. Wir erleben eine Krankheit, der wir Menschen ihr ausgeliefert sind und die uns zeigt, dass die Medizin keine Wunder wirken kann. Wir erleben gravierenden Schwierigkeiten innerhalb der Kirche, die uns im „Innenleben der Kirche“ zeigen, dass sich Missbrauch einschleichen kann und auch hohe Amtsträger mit in Verantwortung stehen. Wir sehnen uns doch so sehr nach Auferstehung, nach Frieden, nach Gesundheit und Glück, nach Aufarbeitung und Verzeihung!

Wenn man es heute an Ostern so sagen will: „Wir sind der Verein der Auferstehung!“. Sicherlich haben wieder viele „diesen Verein“, die Kirche, verlassen, weil sie ihre Vorbildfunktion nicht so wahrgenommen hat, wie es hätte sein sollen. Doch die Kirche ist ja wesentlich mehr als ein Verein. Wir sind eine Auferstehungshoffnungsgemeinschaft. Kirche ist ein weites Geflecht an Aktivitäten: Verkündigung des Evangeliums, soziales Engagement, Bewahrung von Bewährtem, geistige und geistliche Heimat für viele Menschen, letzte Rückzugsmöglichkeiten in existenzieller Not. Gerade in der Ukrainekrise spürt man wieder diese Kraft bei der Hilfe, die gerade auch die Kirchen leisten. In der Hitze des Gefechts und unter dem Schock der Vergehen in der Kirche sollte man nicht vorschnell aus dem Blick verlieren, dass wir (trotzdem) eine Auferstehungsgemeinschaft sind.

Ich habe vor kurzem in einem Interview eines Pfarrers gelesen: Wer jetzt aus verständlicher Empörung die Kirche verlässt, dem wird sie vielleicht auf den großen Stationen des Lebens – Taufe, Begleitung von Kindheit und Jugend, Heirat, Krankheit und Tod – einmal fehlen. Eine Gemeinschaft ist schneller verlassen als eine neue gefunden.

Vor allem die „Hoffnungsgewissheit auf die Auferstehung“ liegt im Herzen unserer Gemeinschaft. Und Auferstehung braucht Gemeinschaft! Wenn ich alleine über die Auferstehung nachdenke, bleibe ich einsam. Ich verliere mich in der Angst, dass ich einem einsamen Hirngespinst auf dem Leim gehe. In der Gemeinschaft hat das einen qualitativ anderen Wert, nicht nur einen quantitativen. „Quantitativ“ reicht nicht. Wenn es viele glauben, wird die Auferstehung auch nicht wahrer. Da muss schon der kommen, der der Herr über die Auferstehung ist: Gottes Tun und sein Versprechen sind es. Das ist die neue Qualität. Er geht aus seiner innergöttlichen „Privatssphäre“ heraus und verleiht seiner Macht als Gott eine neue Qualität.

Jede Gemeinschaft hat einen Gründungsgedanken und einen Gründungsakt: Unsere von Gott gegebene Fähigkeit zu hoffen und Gottes Auftreten als Mensch, der auferstanden ist. Da mögen Einzelne in der Kirche sitzen und nicht so richtig daran glauben; über sie soll nicht der Stab gebrochen werden, sondern es braucht Bestärkung und Hilfe. In der Gemeinschaft sind wir stark. Alle werden mitgenommen.

Wir wünschen sie uns doch alle, diese Auferstehung! Wir als Kirche sind keine fehlerfreie Gemeinschaft. Es wäre Übermut, dies zu meinen. Auch die Kirche ist eine Gemeinschaft mit Fehlern. Doch sie ist auch die Gemeinschaft mit Jesus Christus. Die Kirche ist sein Leib, sein Körper. Auch dieser Leib, diese Gemeinschaft, kann an einer Krankheit leiden. Die Aufgabe ist und bleibt die Gesundwerdung – die Auferstehung in allen Bereichen.

Wir sehnen uns nach der Auferstehung: Nach totalem Scheitern, nach Missbrauch und unverzeihlichem Leid, nach Lebenskatastrophen und in den zeitlich nicht mehr zurechtbiegbaren und annehmbaren Dingen. Das ist nicht Vertröstung auf ein Jenseits, welches es richten muss, weil wir es hier nicht können. Nein, die Auferstehung will nicht auf ein Ereignis im Jenseits hin vertrösten, wo Gott alles richten muss, was der Mensch in der Welt „verbockt“ hat. Wir glauben fest an ein Jenseits, das uns Gott heute verspricht. Auferstehung will uns nicht apokalyptisch machen, so nach dem Motto “es ist eh schon alles verloren, wir müssen nur noch auf den Tod hin losstürmen, um so schnell wie möglich zur Auferstehung zu gelangen“. Die Auferstehung will die Gegenwart heller machen, weil die Zukunft in Gottes Hand liegt. So wird die Gegenwart voll von Verantwortung, Liebe und Menschenfreundlichkeit. Sein Versprechen und seine gemeinschaftsstiftende Tat ist das Licht von Ostern.

Das Bild eines Schmetterlingsanhängers aus alter Zeit will dazu ein guter Vergleich sein:
Ein Mann versuchte den Raupen, die nur dem Fressen nachgingen, zu erklären, dass ihnen ein wesentlich größeres Schicksal bevorsteht. Er erzählte ihnen von der Sonne, dem Regenbogen, den Flügeln und dass ihr Leben froher und zuversichtlicher, und voller Hoffnung sein wird. Das Fressen sei nicht das Letzte, und auch nicht der Tod. Er versuchte ihnen zu sagen: „Der Sarg eurer Verpuppung ist nicht das Letzte. Es gibt die Blüten und das Freisein von so vielen Lasten. Ihr werdet Schmetterlinge sein – mit Flügeln.“ Doch die Raupen konnten es nicht glauben und fraßen weiter. Erst als die erste Raupe sich verwandelte, nach Kreuz und Leid, war das Licht da.

Der Gründungsakt ist geschichtlich, er ist keine Theorie oder ein Mythos, sondern er will innere Wirklichkeit sein. Diese Wirklichkeit geht über die Oberfläche des äußerlich Sichtbaren hinaus, damit auch wir uns in dieser Wirklichkeit („womöglich“ und „doch im Glauben sicher“) wieder finden können.

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