Über die Aussendung der Zwölf

von Pfarrer Thomas Gruber.

Jesus zog durch die benachbarten Dörfer und lehrte. Er rief die Zwölf zu sich und sandte sie aus, jeweils zwei zusammen. Er gab ihnen Vollmacht über die unreinen Geister und er gebot ihnen, außer einem Wanderstab nichts auf den Weg mitzunehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen.

Und er sagte zu ihnen:
Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst! Wenn man euch aber in einem Ort nicht aufnimmt und euch nicht hören will, dann geht weiter und schüttelt den Staub von euren Füßen, ihnen zum Zeugnis.

Und sie zogen aus und verkündeten die Umkehr. Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

Markus 6,7-13

Die Kirche, der Glaube, die Glaubensgewohnheiten verändern sich mit den Generationen. Gerade die „Jetztzeit“ im großen medialen Zeitalter ist für den Glauben eine „ernsthafte“ Herausforderung und eine Chance zugleich. 

Für die Situation der Kirche bzw. Kirchen bei uns konkret in Deutschland wird immer deutlicher spürbar, dass die Kräfte und Resourcen knapper werden. Die volkskirchlichen Strukturen brechen immer mehr auf und die Personaldecke unserer Kirche hat mit Mangel zu kämpfen. Auch für Hallbergmoos, so sagt der „Neue Struktur- und Personalplan“, wird wohl in absehbarer Zeit kein ganzer Pfarrer mehr „angewiesen“ sein. In der künftigen Zeit werde ich bzw. mein Nachfolger noch andere, zusätzliche Aufgaben haben. Die Zeit wird eine verschärftere Mangelzeit werden. Weil es die Zeit so will, was aber Jesus vor zweitausend Jahren auch schon wusste, wenn er sagte: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter“.

Im heutigen Evangelium spricht Markus von der Aussendung der Apostel. Jesus hatte für (s)eine riesige Aufgabe der Glaubensverkündigung nur wenige Jünger zur Verfügung. Mangelzeiten sind eine zeitlose Erscheinung. Auch wenn man die Weltsituation selbst ganz anders betrachten könnte, … wir haben eine „Mangelsituation“ hier in Europa – bedingt durch die vielen Faktoren unserer „Jetztzeit“.

Bei Mangel und Not gilt es auf das Wesentliche zu schauen.
Was ist wesentlich? Was hören wir da aus dem Evangelium heraus? „Rezepte“ gibt das Evangelium nicht vor; doch heute hören wir aus den Anweisungen Jesu einige „Basispunkte“, die im „Heute“ und „Jetzt“ aussagekräftig sind.

Ich greife zwei heraus: 
Jesus will zum Einen, dass die Jünger die „unreinen Geister“ bekämpfen und damit die Menschen heilen sollen. Man könnte dazu für heute anmerken: „Unreine Geister“ gibt es nicht mehr, wir haben eine „gute Medizin und Psychologie“ und das Wort „Dämon“ will uns doch nur einschüchtern.

Doch: Unreine Geister? Was sind diese im Heute und Jetzt? Hier könnte man durchaus eine lange Liste machen: „Orientierungslosigkeit“, Mangel an „Sinn im Leben“ und vor allem „Vertrauensdefizite“, wir verlieren immer mehr an Vertrauen. Wenn wir uns alle mit einer Ballonfahrt vergleichen würden, spürt man doch deutlich, dass die Luft des Vertrauens (wie im Ballon) immer weniger wird. Die „Unreinen Geister“, die Vertrauen zerstören, sind immer unterwegs. „Vertrauen“ und „Sinn“ sind (doch) die Botschaft, die Jesus allen immer mitgeben möchte. 

Als Zweites ist die „Aussendungsanweisung“ Jesu als wichtiger „Basispunkt“ zu verstehen: Kurz und sehr vereinfacht gesagt, schickt Jesus die Jünger relativ mittelos in die Welt hinaus. Einzig einen Stab dürfen sie mitnehmen – und vor allem, zu zweit schickt er sie aus.

Damals, zur Zeit Jesu, war es für Wanderprediger immer schon ein Erfolgskennzeichen, „ohne viel“ zu den Leute zu gehen, um in ihnen Offenheit zu wecken. „Persönliche Begegnung“ war damals wichtig; denn auch die Wanderprediger – damals – hatten nicht immer das Wohlwollen der Bevölkerung.

Bei der Betrachtung darüber, was uns das für heute sagen kann, öffnet sich ein weites Fenster, um Überlegungen anzustellen; ein Konzept oder Rezept an sich darf man hier noch nicht herauslesen, denn sonst würde es (wieder) eine „Ideologie“ darstellen.

Jesu Anweisungen schauen auf die „Flexibilität“, auf „Einfachheit“ und ein Stück weit auch auf „Bescheidenheit“. Nicht „mit zu großem Gepäck aufzuwarten“ bestimmt die Verkündigung des Glaubens. Glaube braucht seine Mittel. Das Glaubensgut ist wichtig! Doch es braucht auch eine sehr gute Abwägung, mit wieviel man daherkommt. Die persönliche und oftmals sehr punktuelle Begegnung bekommt heute noch mehr Gewicht. Die Wanderprediger bleiben nur kurz, um Vertrauen und Sinn zu bringen. Große Flexibilität und Freiheit sind wichtig. Nicht von Haus zu Haus sollen sie gehen, sondern in einem Haus mögen sie bleiben – für den Zeitraum eines Aufenthaltes, damit sie auch in dem Ort, wo sie sind, den nötigen Tiefgang erreichen. Jeden Tag in einem anderen Haus verleitet nur zu einer „Smalltalk“-Atmosphäre. 

Zu zweit sollen sie unterwegs sein, damit auch die Gefahren der Vereinsamung oder egoistischer Machtansprüche eingedämmt werden. 

Und wenn man an einem Ort nicht „gehört“ wird, – wenn die Botschaft nicht ankommt – dann reicht ein „Abschütteln des Staubes von den Füßen“, was Jesus als Entlastung sehen will: Erster Misserfolg ist kein Grund, „den Kopf hängen zu lassen“. „Macht Euch keinen Kopf!“ würde man heute allen Verkündigern sagen, wenn die Botschaft nicht gleich ankommt. Auch Gott selbst wird noch das Seinige „tun“. 

Das einfache und schlichte Vertrauen in die einfachen Formen von unseren Riten mag ein weiterer Anstoß sein, den ich hier heraushöre. Unsere Riten von Gottesdienst und Sakramente geben uns auch im Leben Haltepunkte, die Sinn und Vertrauen vermitteln.

Vertrauen und Tiefe bilden in einem guten Verhältnis ist besser an einem Ort möglich.